Review: Fujifilm X-T2

Die Entscheidung, dass ich vom Nikon DX weg wollte, stand schon lange fest. Nach anfänglicher Euphorie für Nikon D7000 begann mich die Kamera allmählich zu nerven. Zu matschig sind die Bilder, das Rauschen zu groß und die Farben zu unecht. Insbesondere bei der Indoorfotografie.

Wahrscheinlich ein ganzes Jahr lang plagte ich mich mit der Entscheidung, ob ich mir eine Vollformat Nikon D750 oder eine Fujifilm X-T2 holen würde. Ich verbrachte Stunden auf der dpreview beim Pixel Peeking zwischen den beiden Kameras, las unzählige Forenbeiträge und Reviews und wog Pros und Kontras ab. Ich kam einfach nicht weiter. Mal fiel die Entscheidung auf die eine, mal auf die andere Kamera. Ich denke, die richtige oder die falsche Entscheidung hätte es nicht geben können. Nach langem hin und her bestellte ich mir bei Amazon die Fujifilm X-T2. Die Begeisterung über dieses System hält bis heute wie am ersten Tag an.

Fujifilm X-T2_titel

Vorgeschichte

Mit dem Vorgängermodell X-T1 liebäugelte ich bereits 2015, als ich mich letzten Endes für die X100T entschieden habe. Seitdem fotografierte ich fast nur noch mit der kleinen Fuji, soweit ich mit 23 mm auskam. Das Fuji-System war mir mittlerweile sehr vertraut. Ich liebte die X100T wegen ihrer relativen Kompaktheit, der Bildqualität und natürlich der legendären Fuji-Farben. Dass alle Fuji-Kameras dazu auch noch hammermäßig aussehen, nehmen wir einfach als Fakt hin :)

Auf Dauer vermisste ich jedoch andere Brennweiten. Was mich jedoch am meisten störte, dass die die X100T langsam war. Nicht nur beim Fokussieren, sondern beim gesamten Bedienkonzept. Meinen kleinen Sohn damit zu fotografieren war eine ziemliche Herausforderung.

Welche Punkte waren mir wichtig?

  • Fokussiergeschwindigkeit
  • Relative Kompaktheit
  • Sehr gute Wechseloptiken
  • Universalzoom als Kitobjektiv
  • Gute JPGs aus der Kamera
  • Gutes Rauschverhalten beim niedrigen ISO
  • Hoher Dynamikumfang
  • und selbstverständlich die Bildschärfe

Natürlich gewinnt die Nikon D750 in einigen dieser Punkten – speziell beim Rauschverhalten sowie dem physikalisch bedingten Freistellpotential bei Portraitobjektiven. Wie ich bereits oben geschrieben habe, es gibt nicht die Kamera. Den Punktsieg machte für mich jedoch die Fujifilm X-T2.

Ich habe die X-T2 bei Amazon bestellt, ohne sie in der Hand gehabt zu haben. Die Silbergraphitvariante der X-T20 hat mich überhaupt nicht überzeugt, als ich die Kamera mit der D750 direkt verglichen habe. Doch meine Sorgen bezüglich der X-T2 haben sich als gegenstandslos erwiesen. Die Kamera sah mindestens genauso gut wie auf dem Werbebild aus, fühlte sich wertig an, wie aus einem Guss gemacht. Dagegen wirkt die X100T fast wie eine Spielzeugkamera.

Fujifilm vs Nikon

Fujifilm mit dem Premium-Portraitobjektiv Fujinon 56 mm 1.2 ist exakt 100 g leichter als Nikon D7000 mit dem vergleichsweise leichten Nikkor 40 mm 1:2.8

Die Belederung ist nicht aus Hartplastik wie bei der X100T, sondern gummiert, Einstellräder sind griffig und haben einen satten Einrastpunkt. Die Kamera liegt im Originalzustand relativ gut in der Hand. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ein Zusatzgriff für mich persönlich notwendig ist.

Ich habe die Kamera mit dem Kitobjektiv Fujinon XF 18-55mm F2.8-4 R LM OIS bestellt. Vom Design her bilden die Kamera und das Objektiv eine Linie und sehen zusammen verdammt gut aus. Erster Blick durch den Sucher: wow! So groß, so hell, so kontrast- und detailreich habe ich noch keinen Sucher erlebt. Ich mochte den Sucher meiner X100T sehr gerne. Den Sucher der X-T2 liebe ich jedoch über alles. Er stellt alles bisher mir Bekannte in den Schatten. Allein des Suchers wegen könnte ich auf eine X-T2 nicht verzichten wollen!

Erste Testaufnahmen ließen meine Sorgen bezüglich der Schärfe und Fokuspunkt zerstreuen. Alle Brennweiten lieferten scharfe Ergebnisse ohne einen Fehlfokus. Ich war begeistert. Mein inzwischen verkauftes Sigma 17-50 mm F2,8 EX für die Nikon-Kamera lieferte bei verschiedenen Brennweiten teils matschige Bilder.

Fujifilm X-T2_01

Eine der ersten Aufnahmen mit der X-T2, ISO 200, Fujifilm Fujinon XF 18-55mm F2.8-4 R LM OIS

Bildqualität und Autofokus

Die Bildqualität ist selbst mit Kit-Zoom herausragend und toppt die Bildergebnisse der X100T. Richtig Spaß macht die Kamera mit lichtstarken Festbrennweiten. Bisher habe ich meinen Objektivfuhrpark um das Fujinon XF 16mm 1.4 erweitert. Es mag sein, dass die Nikon D750 beim ISO-Rauschen einen Tick besser abschneidet, aber alles in allem ist das Rauschverhalten des X-Trans-III-Prozessors sehr gut. Natürlich arbeite ich, soweit es geht, mit dem nativen ISO 200. Für Stockaufnahmen gehe ich, wenn es erforderlich ist, bis ISO 1600, in seltenen Fällen bis ISO 3200. Bei Freizeitfotos, Fotos für Instagram oder Flickr gehe ich mit dem ISO so hoch, wie es erforderlich ist, um noch verwacklungsfreie Aufnahmen zu bekommen. Unten ist ein Bild, das ich mit abends mit ISO 25600 geschossen habe.

Fujifilm X-T2_02

ISO 25600, Fujifilm Fujinon XF 18-55mm F2.8-4 R LM OIS

Der Autofokus ist schnell, sehr schnell. Es gibt viele Parameter für Autofokusverfolgung, die man einstellen oder selbst konfigurieren kann. Den Autofokus habe ich bei meinem Sohn auf der Rutsche ausprobiert. Funktioniert gut, zusammen mit hoher Serienbildgeschwindigkeit von 8 Bildern pro Sekunde. Meine alte Nikon D7000 kann ich Sachen Autofokus der X-T2 nicht das Wasser reichen. Soviel steht fest. Sehr ausgiebig habe ich mich mit der Thematik noch nicht befasst. Bei Personenfotografie aktiviere ich meist die Gesichtserkennung, die auch recht gut funktioniert. Bei Portraitaufnahmen kann man die Gesichtserkennung auf Augenfokussierung erweitern. Es ist sogar möglich auszuwählen, ob die Kamera auf das linke oder auf das rechte Auge fokussieren soll!

Die X-T2 ist eine Kamera für Fotografen mit professionellem Anspruch. Wie es bei so einer Kamera üblich ist, fehlen hier gänzlich Motivprogramme sowie ein interner Aufhellblitz. Dank der hohen ISO-Empfindlichkeit, des großen Dynamikumfangs und nicht zuletzt der lichtstarken Optiken wird er auch selten gebraucht. Selbst bei Gegenlichtaufnahmen und einer geschlossenen Blende musste ich keinen Aufhellblitz verwenden, weil die Zeichnung dank des großen Dynamikumfangs gut durchkam. Wer aber trotzdem einen Blitz braucht, ist gut mit dem kleinen Aufsteckblitz bedient. Das kleine Ding, das in Sekunden auf den Blitzschuh aufgesteckt werden kann, ist richtig gut und baut durch seine Konstruktion hoch auf. Das ist wichtig, wenn man den Aufhellblitz bei großen Objektiven verwendet. Der Blitz ist immer in meiner Tasche dabei.

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ISO 6400, Fujifilm Fujinon XF 18-55mm F2.8-4 R LM OIS

Weil ich gelesen habe, dass der Akku mit älteren Modellen kompatibel sei, habe ich fälschlicherweise angenommen, dass der Akku der X100T zu der X-T2 passen würde. Das war nicht der Fall. Vielleicht auch zum Glück. Denn der Akku der X100T war saumäßig schlecht. Ich war angenehm überrascht, wie langer der Akku an der X-T2 hält. Natürlich nicht zu vergleichen mit denen von DSLRs, aber dennoch hält der Akku subjektiv deutlich länger als an der X100T.

Viele bemängeln ein vermeintlich unübersichtliches Menü. Kann ich nicht nachvollziehen. Vielleicht einfach deshalb, weil ich mit dem Fuji-System bereits vertraut war. In helle Begeisterung versetzt mich der Joystik auf der Rückseite, mit dem man ohne zu verschwenken einen beliebigen Fokussierpunkt selektieren kann. So etwas möchte ich einfach nicht mehr missen.

Datenausgabe

Die Schwierigkeiten mit den RAW-Dateien haben meine Kaufentscheidung lange zugunsten der Nikon beeinflusst. Wer aktuelle Versionen von Lightroom oder Capture One besitzt, der braucht sich keine Sorgen zu machen. Er wird in seinem Arbeitsflow keine Veränderung merken. Meines Wissens sind die anfänglichen Schwierigkeiten mit der Schärfe der RAW-Dateien inzwischen behoben.

Für alle anderen gibt es gegenwärtig zwei tolle Möglichkeiten, die RAW-Dateien zu entwickeln. Mit dem von Fujifilm entwickelten Programm X RAW Studio hat der Fotograf die Möglichkeit, die RAW-Dateien direkt in der Kamera zu entwickeln. Dazu muss die Kamera nur mit dem PC per USB verbunden und eingeschaltet sein. Startet man das X RAW Studio, erkennt es die angeschlossene Kamera. Wenn man nun eine auf der Festplatte abgelegte RAW-Datei (bei Fuji RAF) auswählt, hat man die Möglichkeit, alle Belichtungskorrekturen bis hin zu Filmsimulationen vorzunehmen, die die Kamera bietet. Das ist sehr praktisch, weil man auch noch Jahre später die Filmsimulationen anwenden kann, mit der Gewissheit, dass dabei exakte Fuji-Farben rauskommen. Die Bildbearbeitung geschieht im internen Kameraprozessor. Die Verarbeitung ist somit sauschnell.

Fujifilm X-T2_04

Studioaufnahme mit der X-T2, Fujifilm Fujinon XF 18-55mm F2.8-4 R LM OIS

Eine andere Methode, Fuji-RAFs richtig zu konvertieren, ist ein Tool namens Iridient X-Transformer. Dieses Tool macht nichts anderes als die RAF-Dateien in Adobe native-Format DNG zu konvertiren. Anschließend kann man eine DNG mit voller Funktionalität, die eine RAW-Datei bietet, in Photoshop, Lightroom oder jedem Bildbearbeitungsprogramm mit professionellem Anspruch entwickeln.

Diese beiden Programme bieten die besten Möglichkeiten, Fuji-RAF-Dateien zu bearbeiten. Freeware-Programme wie Fujifilm Silkypix oder RAWTherapee liefern nach meiner Erfahrung vom Original farbabweichende Ergebnisse.

Fujifilm-X-T2_05

Landschaftsaufnahme mit Fujinon XF16 mm F1.4 R WR

Fazit

Aus dem Bauchgefühl heraus wusste ich von Anfang an, dass ich mir die Fuji X-T2 kaufen würde. Hätte ich mich für Nikon entschieden, würde ich der X-T2 sicherlich nachtrauern. Denn für mich – und wahrscheinlich für viele anderen Fuji-Fotografen – stellt die Fuji-Kamera den besten Kompromiss aus Bildqualität, Handlichkeit und Funktionalität dar. Fujifilm hat hervorragende und gleichzeitig kompakte Optiken, die sicherlich nicht günstig sind, aber andererseits nicht teuerer als Vollformat-Objektive. Und zu guter Letzt – die X-T2 sieht einfach verdammt gut aus!

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