Nikon D7000-Review

 

Nikon D7000

Nikon D7000

Seit 2006 hatte ich eine Nikon D50. Eine schöne, handliche, robuste DSLR der Einsteigerklasse. Nach Jahren der recht intensiven Nutzung bin ich jedoch über die Möglichkeiten der Kamera hinausgewachsen. Es musste was Neues her. Außer Frage stand, dass meine nächste Spiegelreflex eine Nikon sein würde. Nicht, weil ich etwa ein paar Objektive für Nikon bereits besaß, sondern weil ich Nikon für die beste DSLR-Kamera hielt. Und halte.

Nach langem Liebäugeln am Verkaufsstand bei einem bekannten Multimedia-Markt, dessen Werbemaskottchen dem Darsteller von Hangover Zach Galifianakis wie ein Zwillingsbruder ähnelt, unzähligen Rezensionen bei Amazon und sonstigen Berichten im Web, habe ich mir Anfang 2013 die Nikon D7000 gegönnt. Die Suche nach dem geeigneten Objektiv erwies sich als recht zeitaufwendig. Anfänglich wollte ich eines der Kit-Objektive von Nikon haben; zunächst das 16-85mm, dann das 18-105mm und anschließend das 18-200mm, um den größtmöglichen Brennweitenbereich abzudecken. Letzten Endes entschied ich mich für eine Fremdmarke, für das Sigma 17-50 mm F2,8 EX DC OS HSM. Wegen der durchgängigen Öffnung, besseren Lichtstärke, den Testberichten zufolge besseren optischen Eigenschaften und besserer Haptik.

Das Sigma-Objektiv an der Nikon D7000 macht wirklich einen wertigen Eindruck. Die gummierte Oberfläche ist griffig, und trotz des Gewichts des Objektivs und der Kamera liegen beide bequem in der Hand. Der optische Eindruck des Objektivs wertet die Kamera zweifellos auf und zieht so manchen verstohlenen neidischen Blick auf sich. Neben der D7000 erscheint einem die D50 wie ein Spielzeug.

Der Umstieg von der D50 auf D7000 ist natürlich ein Quantensprung. Was sind die wesentlichen Unterschiede?

Äußeres

Die D7000 ist deutlich größer und schwerer als die D50. Durch die ergonomische Form und Gummierung der Griffe am Gehäuse liegt sie dennoch sehr bequem in der Hand. Das wettergeschützte Gehäuse aus Magnesiumlegierung ist staubdicht und erlaubt den Einsatz der Kamera unter widrigereren Bedingungen als auf heimischer Geburtstagsfeier. Der Monitor für die Bildvorschau ist um einen Zoll größer als bei der D50, ist höher aufgelöst und hat vom Werk aus eine transparente Plastikbdeckung.

What you see is what you get

Die Nikon D7000 hat eine 100% Ansicht im Sucher. Das heißt, exakt das, war man durch den Sucher sieht, hat man nachher auf dem Foto drauf. Nikon D50 hat einen nur 95%-Sucher. Es scheint auf den ersten Blick, dass zwischen 95% und 100% keine Welten liegen, aber der Unterschied wird deutlich, wenn man beispielsweise vom Stativ aus Sachaufnahmen macht. Darüber hinaus hat die D7000 einen größeren Bildsucher sowie Liveview. Das Liveview ist sehr praktisch bei Makro- und Stilllebenaufnahmen oder wenn man über dem Kopf fotografiert.

Fotostrecke Nikon D7000-Aufnahmen

Bildqualität und Speicherung

Die Qualität der Aufnahmen der D7000 ist herausragend und war der wesentliche Entscheidungsfaktor für den Kauf. Die Kamera hat 16 Megapixel Bildauflösung bei einem Dynamikumfang von 13,9 EV sowie einem lichtempfindlicheren CMOS-Sensor. Die D7000 weist ein sehr geringeres Rauschen auf. Durch die Verwendung des RAW-Bildformats (bei Nikon heißt es NEF) ist es möglich, Fotos in 12 bzw. 14 Bit Farbtiefe zu speichern. JPEG unterstützt lediglich 8 Bit. Mit der JPEG-Komprimierung kommt man bei manchen Motiven an die Grenzen dieses Dateiformats. Aufgefallen ist es mir bei einigen Aufnahmen mit dem Polarisationsfilter. Bei tiefen Himmelverläufen kommt es bei der Speicherung im JPEG-Format zum Blending, d. h. bei Farbverläufen werden abgestufte Streifen sichtbar.

Sehr praktisch sind die 2 Speicherkarten-Slots. Man kann beispielsweise auf einer Karte Bilder im RAW-Format speichern, während auf die andere JPEG-Bilder geschrieben werden. Oder der Kamera sagen, dass sie auf eine Karte Bilder und auf die andere Filmaufnahmen schreiben soll. Die zwei Kartenfächer lassen sich auch als Backup konfigurieren, so dass Aufnahmen immer zweifach gespeichert werden. Nachträgliches Kopieren von einer Karte auf die andere ist natürlich auch möglich.

Fokus und Aufnahmen

Der Fokus der D7000 arbeitet mit 39 Messfeldern. Das ist zwar eine schöne Funktion und in manchen Situationen ganz nützlich, aber generell stellen die Fokusmessfelder nicht auf das scharf, was man anvisieren will. Deswegen nutze ich überwiegend den Singel-Fokus.

Der Hi-Speed-Verschluss erlaubt bis zu 6 Aufnahmen pro Sekunde. Es gibt sicherlich schnellere Kameras, aber 6 Bilder in der Sekunde sind schon ganz ordentlich. Natürlich ist das ein theoretischer Wert. Die Geschwindigkeit ist zum einen von der Belichtungszeit und zum anderen von der Schreibgeschwindigkeit der Speicherkarte abhängig. Wer sich eine D7000 leistet, sollte nicht an den SD-Karten sparen.

Die kürzeste Verschlusszeit der Kamera beträgt 1/8000 sek. Eine weitere nützliche Funktion, die die Nikon D7000 mit sich bringt, ist die Möglichkeit der Intervallaufnahmen.

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Nikon D7000 mit dem Sigma 17-50mm

Weitere Funktionen

Die ohnehin schon rauscharme und adleraugenscharfe D7000 hat noch eine nützliche Funktion im Programm, das Active D-Lighting. Die Funktion verringert den Kontrast in verschatteten Bereichen und bringt somit mehr Details zur Geltung. Ganz nett ist auch die automatische Objektiv-Verzeichniskorrektur, die die optisch-perspektivisch bedingten Fehler on the fly korrigiert. Diese Funktion kann leider nur bei neueren prozessorgesteuerten Nikon-Objektiven verwendet werden. Fremdmarken werden (noch) nicht unterstützt. Aufgepeppt ist die Nikon durch eine interne Bildbearbeitung.

Nikon D7000 nimmt Full-HD-Videos auf. Die Qualität der Aufnahmen ist sehr gut, abgesehen von dem deutlich hörbaren Knistern, wenn der Autofokus an ist. Deswegen sollte man bei Filmaufnahmen einen externen Mikro verwenden oder manuell fokussieren. Durch Objektive mit geringer Tiefenschärfe ist es möglich, reizvolle Filmaufnahmen zu produzieren mit einem gewissen Kinofilmfeeling.

Da die Nikon D7000 als semiprofessionelle Kamera konzipiert und den größten Absatz im Consumer-Bereich findet, kommt sie mit 19 Scene Programmen daher, die jedoch für den aufstrebenden Fotografen überflüssiger Schnickschnack sind. Ich hätte an Stelle von Nikon komplett darauf verzichtet, aber anscheinend wollte man möglichst jedem Kunden gerecht werden.

Neu ist für mich die Funktion Sensorreinigung. Was bringt sie? Gefühlt nichts. Nach ein paar Mal Objektivwechsel bemerkte ich schon störende Artefakte auf manchen Bildern, die vor allem bei kleinen Blenden und auf homogenen Flächen besonders zum Vorschein kommen. Die Staubflecken lassen sich per Referenzbild rausfiltern. Ausprobiert habe ich dies jedoch noch nicht.

Fazit

Die Bedienung der D7000 geht intuitiv, alle neu hinzugekommenen Funktionen lassen sich gut einprägen, so dass mir der Umstieg von D50 auf D7000 sehr leicht fiel. Durch die vielen Direktzugriffstasten mit zwei Einstellrädern lässt sich die D7000 einfacher und schneller bedienen. Das verleiht der D7000 einen professionellen Eindruck, auch wenn sie nur als semiprofessionelle DSLR anzusehen ist. Fast alle Funktionen sind konfigurierbar, Tasten lassen sich nach Belieben belegen, die Konfiguration lässt sich in Usermodi U1 und U2 abspeichern.

Sehr angenehm ist der Verschlusston. Typisch Nikon: nicht zu aufdringlich, dennoch nicht zu überhören, für mich klingt er wie Musik in meinen Ohren. Falls es einige Situationen erfordern, möglichst leise zu knipsen, gibt es dafür den Quiet-Mode, bei dem das Klappern des auslösenden Spiegels in zwei Phasen geteilt wird: Beim reindrücken der Auslösertaste und beim Loslassen. Das hört sich tatsächlich viel leiser an. In stiller Umgebung wie z. B. im Inneren einer Kirche oder während des Schlafs meines fünfmonatigen Sohnes hat sich die Funktion bestens bewährt.

Mittlerweile nutze ich die Nikon D7000 seit rund 1,5 Jahren und bin immer noch bestens zufrieden mit der Kamera. In der Zwischenzeit habe ich als Immerdrauf das Sigma 17-50mm gegen Nikkor 40mm Micro getauscht. Der Nikkor ist kompakter, leichter und hat herausragende optische Eigenschaften mit einem wunderbaren cremigen Bokeh als Sahnehäubchen. In manchen Situationen vermisse ich zwar Weitwinkel, möchte ich aber auf die Schärfe des Nikkor noch nicht verzichten.

Bewertung:

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