Das teuerste Foto der Welt

Was ist Kunst? Und wie viel ist Kunst Wert? Darüber, was Kunst ist, schneiden sich die Geister. Ebenso über ihre Aussage und die Bedeutung. Den Wert bestimmt, wie alles andere auch, die Nachfrage.

Was sagt Wikipedia dazu? Die Definition des heutigen, ins Unermessliche aufgeblähten, über zweitausendmal korrigierten Artikels Kunst verstehe ich nicht. In einer der ursprünglichsten Versionsgeschichte ist die Beschreibung des Begriffs Kunst klarer ausgedrückt:

Kunst ist eine menschliche Ausdrucks- oder auch Kommunikationsform, die praktisch jede menschliche Aktivität zum Gegenstand haben kann. Der Begriff „Kunst“ versteht sich als das Gegenteil von „Natur“, somit kann also prinzipiell alles Kunst sein, was nicht natürlich ist, ein Schöpfer, oder Autor, ganz allgemein ein Künstler ist notwendig.

Also ist demnach ein blitzüberbelichteter Schnappschuss besoffener Visagen einer Flatrate-Saufparty ein Kunstwerk. Es ist ja schließlich nicht natürlich entstanden, sondern hier war ein Schöpfer am Werk.

Ganz klar, für mich persönlich – und ich denke, ich stehe da nicht allein -, stellt die Kunst ferner ein Werk dar, das nicht nur für eine Generation prägend ist, sondern für alle menschlich ermessene Zeit die künstlerische Bedeutung bewahren kann. Und ebenso ein Ausdruck einer gewissen Ästhetik ist für ein Kunstwerk angebracht. Ein Kunstwerk ist eine besondere Schöpfung, die sich durch ihre Bedeutung, Aussage, Genialität von der Masse anderer „Schöpfungen“ abhebt.

So ein Partyfoto würde wahrscheinlich nicht mal sein Schöpfer als Kunstwerk betrachten. Würden Sie gern erfahren, wie nun endlich die teuerste Fotografie der Welt aussieht, die für stolze 4,3 Millionen Dollar über die Ladentheke ging? Hier ist der Link: Rhein II.

Schock überwunden? Nein, es ist kein Witz. Es ist das Werk des weltweit erfolgreichsten zeitgenössischen Fotografen Andreas Gursky. Eine Panoramaaufnahme, die an einem bedeckten Tag den Rhein zeigt, die grün bewachsenen Ufern vom Fluss, ein Fahrradweg im Vordergrund und einen grauen, fast strukturlosen Himmel im Hintergrund, der die Hälfte des Bildes einnimmt. Ein Bild, das wie ein Spaziergang-Schnappschuss aussieht, weil man an so einem Tag kein besseres Motiv finden konnte. Ok, wenn man sich das Bild etwas länger anschaut, werden dem Betrachter schon die klaren geometrischen Linien deutlich, die das Bild so lustig teilen. Die Einfachheit der geometrischen Form halt. Aber steckt in diesem Bild wirklich das Genie? Hinter der Kamera unumstritten. Aber in diesem Bild? Zugegeben, ich gehöre zu der Sorte von „Kunstkennern“, die hinter dem Malewitschs Schwarzen Quadrat keinen tieferen Sinn sehen. Wie viel ist Ihnen dieses Bild wert?

Update

Unabhängig von Andreas Gursky schoss ich 2013 ein ähnliches Bild. Technisch vielleicht nicht ganz so ausgereift, aber trotzdem witzig. Das Bild entdeckte ich gestern rein zufällig auf meinem PC. Hier geht es zum Beitrag mit meiner Version des Rhein II.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *