Die Evolution der Konsumer-Digitalkameras

Ein Leben ohne Digitalfotografie ist heutzutage nicht wegzudenken. Kaum ein elektronisches tragbares Gerät kommt ohne ein digitales Auge aus. Smartphones, Tabletts, Notebooks, Actioncams, Pen Cams, Webcams – überall sind Digitalkameras eingebaut, die zudem immer ausgefeilter werden. Auch Spiegelreflexkameras werden von Generation zu Generation besser und preislich immer erschwinglicher. Sie liefern knackscharfe, farblich ausgewogene, hochauflösende Bilder, nehmen Filme in HD-Qualität auf und können Tausende Bilder auf briefmarkengroßen Chips speichern. Dabei ist es verhältnismäßig noch nicht so lange her, als die ersten Digitalkameras auf den Markt kamen.

Die elektronische Bildaufzeichnung wurde in den 1960er Jahren entwickelt und patentiert. Die CCD’s kamen in der ersten Hälfte 1970er Jahren auf den Markt, 1991 brachte Kodak die erste Spiegelreflexkamera, die DCS 100 in den Handel – ein 1,3-Megapixel-Modell für stattliche 20.000$ bis 25.000$!!! Die Kamera richtete sich an Fotoreporter. Für Normalsterbliche war sie schlicht und einfach zu teuer. Ab der zweiten Hälfte der 1990er Jahre wurden digitale Spiegelreflexkameras besser, preislich attraktiver und fanden so allmählich Einzug in die Profifotografie. Der Normalverbraucher schoss weiterhin analog.

Olympus Camedia C-1000L

Im Einzelhandel erschienen Digitalkameras gefühlt ab dem Jahr 1997/98. Ich weiß noch ganz genau, dass ich mir eine kompakte Digitalkamera (eine Casio QV-100 oder vergleichbar) für etwa 250 D-Mark bei Mediamarkt kaufen wollte. Sie hatte eine Auflösung von 640×480 Bildpunkten. Schon damals entwickelte sich der Digitalkameramarkt rasant und 250 Mark waren für mich sehr viel Geld für eine selbst für damalige Verhältnisse geringe Auflösung. Die Idee der digitalen Fotografie ließ mich jedoch nicht los. Amazon und Produktrezensionen befanden sich an der Jahrtausendschwelle noch in der Entstehung, und so durchforstete ich den lokalen Media- und Makromarkt auf der Suche nach neuen, günstigen Modellen, bis ich ein Angebot sah, das mich nicht mehr los ließ: die Olympus Camedia C-1000 L für, wenn mich mein Erinnerungsvermögen nicht täuscht, 699 D-Mark. Aus der heutigen Perspektive weiß ich nicht mehr, ob das die richtige Entscheidung war, dafür meine richtige Spiegelreflexkamera, die analoge Minolta Dynax 500si zu verkaufen. Jedenfalls tat ich es, um das nötige Kleingeld für die neue Kamera zu bekommen.

Olympus C-1000L (Fruchtschale)

Eine der ersten Aufnahmen mit der Olympus C-1000L

Nun hielt ich dieses Wunderwerk der Technik, verpackt in ein schickes, futuristisch anmutendes Gehäuse in den Händen. Meine erste Digitalkamera – ein im Konsumerbereich fast professionelles Gerät. Eines der ersten Motive war eine Fruchtschale. Ich visierte die Früchte an, der eingebaute Blitz klappte auf und einen Bruchteil der Sekunde später war das Bild „im Kasten“. Man konnte es sich gleich am Bildschirm ansehen oder auf den Computer übertragen. Ein unbeschreibliches Gefühl in Zeiten, wo der Analogfilm noch den Markt dominierte.

Die Camedia C-1000 L ließ keine manuellen Einstellmöglichkeiten zu, machte dennoch für das damalige Verständnis sehr gute Fotos. In ihrer Bauart handelte es sich um die erste Bridgekamera überhaupt, auch wenn die Bildqualität sich nicht mit der von durchschnittlichen modernen Smartphones messen kann. Der automatische Weißabgleich der C-1000 L war grässlich. Motive mit weißen Elementen waren hoffnungslos überbelichtet, ebenso mit dem internen Blitz aufgehellte Gesichter im Dunkeln. Dieses Problem, wenn CCD-Pixel überschüssige Ladung an benachbarte Pixel abgaben und sehr helle Bildbereiche fast weiß darstellten, war für alle damaligen Digitalkameras vorherrschend.

Ein weiteres Problem war die Stromversorgung. Hielt damals noch eine analoge Kamera mit Zoomobjektiv, eingebautem Blitz, Filmtransport etc. noch mehrere Wochen durch, war die Energie der vier Mignonakkus der C-1000 L nach ca. 50 Aufnahmen erschöpft. Die Digitalkameras der ersten, zweiten Generation waren wahre Stromfresser. Damals ein beinahe unlösbares Problem. Ich hatte immer einen Satz Ersatzakkus in meiner Fototasche. Für Aufnahmen zu Hause kaufte ich mir eine externe Stromversorgung.

Trotz der vielen Probleme, die Digitalfotografie anfangs mit sich brachte, hatte sie zwei entscheidende Vorteile gegenüber dem Analogfilm: die Ergebnisse ließen sich sofort begutachten und es entstanden nach dem Kauf der Kamera selbst keine weiteren Anschaffungskosten.

Olympus Camedia-2020 Z

Olympus Camedia-2020 Z

Meine zweite Digitalkamera wurde auch eine Olympus. Deutlich kleiner als die C-1000 L, mit mehr Auflösung und mehr Batterielaufzeit und ganz besonders: mit manuellen Einstellmöglichkeiten der Blende, Belichtungszeit und des ISO-Wertes. Beinahe eine DSLR in Form einer Kompaktkamera. Es war eine Olympus Camedia C-2020z. Sie wurde zu meinem treuen Begleiter über mehrere Jahre. Das Vorhandensein eines Filterschraubgewindes am Schaft des eingebauten Zoomobjektivs machte die Kamera für den Einsatz in der Astrofotografie tauglich. Mit dieser Kamera machte ich bislang meine besten astrofotografischen Erfahrungen.

Dennoch blieb der Markt der Digitalkameras nicht stehen. Auch wenn ich mit der C-2020z ganz zufrieden war, verspürte ich dennoch den Wunsch nach einer richtigen DSLR. Anfang der 2000er noch nicht für jede Brieftasche, änderte sich dies zunehmend Jahr für Jahr.

Nikon D50

Nikon D50

Im Jahr 2006 war es dann soweit. Gewisse finanzielle Schwierigkeiten ließen mir damals nicht viel Spielraum zu, um groß zwischen Marken und Modellen zu wählen. Das „beste billigste“ Modell war eine Nikon D50, damals im Angebot für ca. 500 Euro. So landete ich bei Nikon und halte bis heute der Marke Treue.

Endlich hielt ich eine vollwertige DSLR in den Händen – eine schwere, aber gut in den Händen liegende Kamera, mit einer professionell anmutenden Haptik und Akustik wie aus den alten „Analogzeiten“. Bereits in der zweiten Hälfte 2006 war die Nikon D50 ein Auslaufmodel. Dennoch bildeten die 6 MP scharf ab bei einem für die damaligen Verhältnisse großen Dynamikbereich. Die Kamera lieferte satte, lebendige Bilder und davon Hunderte mit einer einzigen Akkuladung. Die D50 wurde über Jahre zu meinem ständigen Begleiter.

Nikon D7000

Nikon D7000

Jahrelang betrieb ich die D50 mit dem Kit-Objektiv. Ausgestattet war die D50 mit dem robusten AF-S DX Zoom-Nikkor 18-55mm. Nicht besonders lichtstark, aber scharf und leicht. Halt ein Immerdrauf-Allrounder für den Amateurfotografen. Zum Geburtstag bekam ich ein gebrauchtes 70-300-mm Telezoom geschenkt. Leider mit einem mächtigen Backfokus. Vor dem nächsten und bisher letzten Systemwechsel betrieb ich die Nikon D50 mit einer lichtstarken 1:1,8 35 mm Festbrennweite, die aus der Kamera das Maximum an Bildqualität herausholte.

Meine aktuelle Kamera ist die Nikon D7000 – eine 16 Megapixel semiprofessionelle DSLR mit vier Wechselobjektiven, externem Systemblitz und vielem weiteren Zubehör. Dass sie durch eine neue, bessere ersetzt wird, ist klar. Es ist nur eine Frage der Zeit. Und diese bleibt ja bekanntlich nicht stehen.

Nachtrag

Während ich diesen Artikel arbeitete, bereicherte ich meine Sammlung mit einem weiteren Schätzchen – einer Fujifilm X100T. Ich hätte nie gedacht, dass ich von einer DSLR zu einer Kompaktkamera abkehren würde. Aber so harmlos diese kleine Retrokamera auszusehen mag, sie hat es in sich. Lesen Sie dazu einfach das entsprechende Review.

Fotografie: Von der Camera obscura bis zur Digitalkamera

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