Review: Blitzgerät Nikon SB-700

Der Blitzlichtfotografie begegnete ich immer mit gemischten Gefühlen: überbelichtete weiße Gesichter und eine fremdartige Mimik, harte Schatten, unnatürliche Lichtwirkung, einfach unschön. Auf der anderen Seite lässt sich der Einsatz des internen Blitzes nicht immer vermeiden: wie etwa bei schlechten Lichtverhältnissen oder zur Aufhellung der Schatten bei hartem Sonnenlicht. Eigenartigerweise kamen mir Profi-Bilder, die mit Einsatz von einem oder mehreren externen Blitzen aufgenommen wurden, gar nicht so unschön vor. Ganz im Gegenteil. Es reizte mich schon lange, einen externen Blitz auszutesten.

Nikon D7000 mit dem Blitzgerät SB-700 Bild: Nikon

Nikon D7000 mit dem Blitzgerät SB-700
Bild: Nikon

Nun habe ich mich endlich dazu durchgerungen, mir einen externen Blitz zuzulegen. Ich habe mich schon lange davon verabschiedet, billig und zweimal zu kaufen. Streng genommen hatte ich schon mal einen externen Blitz, einen Electra Slave Flash (s. Ausrüstung). Dieses Ding hat mir für Jahre die Lust am Blitzen versaut. Dieses Mal sollte was Richtiges her. Doch was? Erstmal begann die obligatorische Recherche.

Als erstes stieß mir der Yongnuo OS02037 YN-560 Mark III für nur 67 Euro ins Auge. Er wird bei Amazon im Verkaufsrang unter Systemblitzen als Nummer 1 geführt, erhält durchweg positive Kritiken und besticht mit einer hohen Leitzahl von 58. Andererseits wieder mal so ein günstiges Gerät, obwohl es auf den Bildern recht wertig aussieht? Und dann noch ein China-Produkt. Als ich dann erfuhr, dass der Yongnuo kein TTL unterstützt und nur manuell betrieben werden kann, verabschiedete ich mich von dem Gedanken, ihn zu kaufen. Ähnliche Überlegungen hatte ich bezüglich des noch günstigeren
Neewer® NW-565 EXN i-TTL-Slave Speedlite für nur 59 Euro. Manch einer mag das vielleicht anders sehen, aber ich wollte mich nicht noch einmal mit einem Billigprodukt herumärgern.

Als nächstes stolperte ich über den Metz Mecablitz 52 AF-1. Mit Sicherheit ist es kein schlechtes Gerät, mit 210 Euro kein Schnäppchen und mit einer Leitzahl von 52 ziemlich leistungsfähig. Allerdings fand ich den Touchscreen nicht so schön. Mag vielleicht Geschmackssache sein, aber direkte Zugriffstasten finde ich praktischer, um schnell zur gewünschten Einstellung zu gelangen. Ich sah mich also weiter um.

Nach einem interessanten Bericht bei chip.de stieß ich auf Nissin Speedlite Di866 Mark II für aktuell 205 Euro. Von den 10 getesteten Blitzgeräten kam der Nissin auf Platz 3. Er hat eine enorme Leitzahl von 60, kann Stroboskopblitzen und hat einen kleinen Zweitreflektor vorn zum besseren Ausleuchten frontaler Partien. Allerdings stolperte ich über einen in vielen Rezensionen bemängelten Punkt – das laute Knistern des Zoomreflektors. Nachdem ich in einem Youtube-Video dieses Knistern auch gehört habe, verabschiedete ich mich von dem Wunsch, einen Nissin Speedlite haben zu wollen. Diesem störenden Geräusch haftete ein gewisser Billig-Touch an. Außerdem gefiel mir das recht langsam aufbauende Farbdisplay von Nissin nicht so gut. Er ändert durch einen Lagesensor zwar die Richtung, wenn man die Kamera hochkant nimmt, aber der langsame, gameboy-anmutende Bildaufbau macht dieses Feature zunichte.

SB-700: Vorderseite Bild: Nikon

SB-700: Vorderseite
Bild: Nikon

Tief im Unterbewusstsein fiel meine Entscheidung sowieso schon für einen Nikon SB-700. Ich konnte auch keine ernst zu nehmenden Kritikpunkte zu diesem Blitzgerät finden. Recht klein und formschön mit einem angehnehm grün leuchtenden übersichtlichen LCD-Display ohne TFT-/Touchscreen-Schnickschnack. Und das Beste: Der SB-700 spricht die Sprache Nikon – in der Kommunikation mit der Kamera und von der Bedienung durch den Menschen. Die Position der Tasten ist durchdacht, Haptik sehr angenehm, die Bedienung intuitiv. Im besagten Test bei chip.de war Nikon SB-700 das schnellste Blitzgerät mit einer Ladezeit von ca. 2,5 Sekunden. Ich dachte erst, dass das die Zeit ist, die das Blitzgerät zwischen zwei Aufnahmen benötigt. Nein, es ist die Bereitschaftszeit. Danach feuert der SB-700 wie ein Maschinengewehr.

Der Preis für den Nikon SB-700 schwankt bei Amazon sehr stark. Entdeckt habe ich ihn zunächst für rund 250 Euro und auf die Wunschliste gesetzt. Während ich mich fremd umguckte, stieg der Preis auf über 300 Euro. Nach langem Suchen bestellte ich den Blitz beim niederländischen Händler Photospezialist für 255 Euro.

Ein paar Tage später war das Päckchen da. Verpackt in einen kompakten nikontypischen goldenfarbenen Karton in einer kleinen quadratischen Aufbewahrungstasche mit Reißverschluss und Gürtelschlaufe. Mitgeliefert wurden ein Standfuss, ein Diffusoraufsatz und je ein Farbfilter für Kunst- und Fluoreszenzlicht. Bei den vermeintlich günstigeren Metz und Nissin fehlen die Diffusoraufsatz und die Farbfilter. So viel günstiger wären sie im Endeffekt dann auch nicht. Einzig die Bedienungsanleitung war auf Holländisch und Französisch. Aber das war mir schon vorher bekannt. In der Beschreibung im Webshop wurde darauf hingewiesen, dass es sich bei dem Gerät um „EU-Ware“ handelt. Eine Bedienungsanleitung kann man im PDF-Format bei Nikon herunterladen. Wer ein Handbuch in Deutsch haben möchte, der muss etwas tiefer in die Tasche greifen.

Das manchmal bemängelte Wackeln des SB-700 im Blitzschuh kann ich nicht bestätigen. Man legt den Lock-Schalter nach links, schiebt den Blitz in den Blitzschuh rein und legt den Lock-Schalter nach rechts auf „L“ um. Dann sitzt er bombenfest. Rausfallen kann er nicht mehr.

Mit einer Leitzahl von 28 ist der SB-700 nicht der Lichtstärkste unter den Systemblitzen. Einen Wohnraum oder ein Studio kann er aber problemlos ausleuchten – direkt oder indirekt. Vielleicht reicht die Leitzahl für die Ausleuchtung einer Industriehalle nicht aus. Für den Normalanwender ist die Lichtleistung in den allermeisten Fällen absolut ausreichend.

SB-700: Rückseite Bild: Nikon

SB-700: Rückseite
Bild: Nikon

Durch das indirekte Blitzen ergibt sich eine unendliche Anzahl kreativer Bildgestaltung. Der Schwenkkopf des Blitzes lässt sich in alle Richtungen horizontal und vertikal drehen und um 7° für Makroaufnahmen nach unten stellen. Das Spiel mit Licht und Schatten, je nachdem, ob man den Blitzkopf zur Decke richtet oder im Winkel zur Wand, ob man den Diffusor aufsetzt oder die Weitwinkel-Streuscheibe mit der Reflektorkarte benutzt, ist schier unendlich. Jene, die behaupten, das Avaible Light einem externen Blitz vorzuziehen – ich gehörte auch dazu -, haben keine Ahnung. Denn gerade in schlecht belichteten Räumen, spärlich mit gelbstichigem Kunstlicht beleuchtet, kann man mit einem externen Blitz interessante Lichteffekte erzeugen.

Der SB-700 ist masterfähig und unterstützt das Creative Lighting System von Nikon. Ob die Fremdhersteller so ohne Weiteres alle Funktionen des Creative Lighting System umsetzen können, kann ich nicht sagen. Mit dem hauseigenen Gerät liegt man da auf der sicheren Seite.

Zur Bedienung: In den meisten Fällen kann der SB-700 im automatischen TTL-Modus betrieben werden. TTL (Through The Lense) bedeutet, dass das Blitzgerät die Belichtungsinformationen des Motivs direkt durch das aufgesteckte Objektiv misst. Die Situation im Prinzip so auswertet, wie der Fotograf sie sieht. Auf der rechten Seite ist ein Schiebeschalter für drei Belichtungsmodi angebracht: standard, mittelbetont und gleichmäßig. Mit dem Schiebeschalter auf der linken Seite schaltet man den Blitz in den manuellen Modus, wo man mit dem in der Mitte angebrachten Drehrad die Belichtungsleistung zwischen 1/1 bis 1/128 einstellen kann.

Kritikpunkte

Der SB-700 ist ein tolles Gerät, das kaum Wünsche offen lässt. Leider kann er im Mastermodus kein Stroboskopblitzen. Das war mir auch schon vor dem Kauf klar. Ich nahm dies jedoch in Kauf, weil andere Vorteile für mich klar überwogen. Stroboskop geht jedoch wohl als Slave. Ausprobiert habe ich es noch nicht. Ein weiterer Kritikpunkt wäre, dass der SB-700 keine wirkliche Akkuanzeige hat. Nur wenn die Akkus aufgebraucht sind, wird ein Batteriesymbol angezeigt. Das Blitzgerät reagiert dann nicht mehr. Vielleicht ist es technisch schwierig, bei der Fülle von verschiedenen Batterie- und Akkuherstellern eine wirklich funktionierende Akkuverbrauchsanzeige zu realisieren. Ich weiß es nicht. Als letztes wäre noch zu Bemerken, dass das Verstellen des Blitzkopfes etwas umständlich ist. Dazu muss auf der rechten Blitzseite ein Entriegelungsknopf betätigt werden. Nun halte ich mein Body schon mit der rechten Hand und muss zum Entriegeln mit der linken über meine rechte Hand greifen, um den Knopf zu betätigen, ihn halten und den Blitzreflektor verstellen. Ich finde diese Lösung nicht besonders ergonomisch. Auf der linken Seite wäre der Entriegelungsknopf wohl besser angebracht. Wahrscheinlich haben die Nikon-Ingenieure mehr an den Einsatz der Kamera im Studio am Stativ gedacht. In dem Fall wäre die rechte Hand frei. Aber es ist eine Sache der Gewöhnung.

Fazit

Bis auf ein paar wenige Kritikpunkte, ist der SB-700 ein tolles, schickes Gerät in der mittleren Preisklasse. Ich würde jedem, der eine Nikon-DSLR besitzt und die Anschaffung eines externen Blitzes überlegt, zur Anschaffung eines SB-700 raten.

Nikon SB-700 Blitzgerät für Nikon SLR-Digitalkameras

Price: EUR 263,00

4.6 von 5 Sternen (120 customer reviews)

18 used & new available from EUR 227,00

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